reproduktionsmedizin

Einfrieren von Eizellen

Wenn Sie aus verschiedenen Gründen heute noch nicht dazu bereit sind, Mutter zu werden, könnte Ihnen das Einfrieren von Eizellen die Möglichkeit bieten, Ihre Fruchtbarkeit für einen späteren, von Ihnen für die Verwirklichung Ihrer Reproduktionspläne frei wählbaren Zeitpunkt zu erhalten. An dem Tag, an dem Sie dies tun, sind Ihre Chancen für eine Schwangerschaft genauso hoch wie an dem Tag, an dem Sie Ihre Eizellen eingefroren haben.

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Warum Eizellen einfrieren?

Oft glauben Frauen fälschlicherweise, dass das Einfrieren von Eizellen nur vor einer Krebsbehandlung oder im Rahmen eines In-vitro-Verfahrens durchgeführt wird. Ein weiterer Irrglaube ist, dass die Kryokonservierung von Eizellen nur für Frauen über 40 gilt. Das Einfrieren von Eizellen ist ein geeignetes und vertretbares Verfahren für Frauen, die sich zwar in unterschiedlichen Lebenssituationen befinden, die aber einen gemeinsamen Nenner haben – den Wunsch, in der Zukunft Mutter zu werden (oder wieder Mutter zu sein).

 

Das Krankenhaus „Nadezhda“ setzt sich im Rahmen des Projekts „Bewahre die Hoffnung“ auch für die Konservierung von Eizellen und Spermien bei Patientinnen und Patienten mit Krebs, rheumatischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen ein.

Bevor Sie jedoch mit den Vorbereitungen für das Einfrieren beginnen, dürfen Sie folgendes nicht vergessen:

Das Verfahren Schritt für Schritt

Je nachdem, aus welchen Gründen Sie sich für das Einfrieren von Eizellen entscheiden und wie die Arbeit in den verschiedenen Kliniken organisiert ist, kann es Abweichungen von den hier beschriebenen Schritten geben.

 

Im Allgemeinen gibt es jedoch 4 Hauptphasen, die zu durchlaufen sind:

  • Voruntersuchungen und Beratung – um herauszufinden, ob das Verfahren sinnvoll ist und ob Kontraindikationen vorliegen sowie um den zweiten Schritt zu planen.
  • Hormonelle Stimulation der Eierstöcke – normalerweise reift in jedem der beiden Eierstöcke jeden Monat eine Eizelle heran. Um genügend Eizellen für das Einfrieren entnehmen zu können, werden die Eierstöcke mit Hormonpräparaten dazu angeregt, nicht nur eine, sondern fünf, zehn oder fünfzehn reife Eizellen auf einmal zu produzieren.
  • Eizellenentnahme – die Eizellen müssen nach ihrer Reifung, kurz vor dem Platzen der Follikel (Eibläschen), entnommen werden. Dies geschieht durch einen kleinen invasiven Eingriff – durch eine Punktion.
  • Einfrieren von geeigneten Eizellen und Ausfertigung von Dokumenten für die Langzeitlagerung der Eizellen.

Das Verfahren wird nur einen Bruchteil Ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem sollten Sie Ihre Engagements sorgfältig planen und sich auf häufige Besuche in der Klinik für Reproduktionsmedizin über einen Zeitraum von einer bis zu zwei Wochen einstellen.

Wenn Sie bereits Ihre informierte Entscheidung darüber getroffen haben, Eizellen für die Zukunft aufzubewahren, vereinbaren Sie einen Termin für ein Beratungsgespräch mit einem/einer FacharztIn für Reproduktionsmedizin.

 

Zunächst sollte Ihre Eierstockreserve ermittelt werden, um festzustellen, welche Ergebnisse von der Entnahme und dem Einfrieren von Eizellen erwartet werden können. Die Beurteilung der Eierstockreserve umfasst eine Ultraschalluntersuchung der Anzahl und Größe der Antralfollikel in Ihren Eierstöcken durch einen/eine FacharztIn sowie einen Test auf vier wichtige Reproduktionshormone, von denen man annimmt, dass sie einen relativ guten diagnostischen Wert bei der Beurteilung der Eierstockreserve haben – das sind das follikelstimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH), das Estradiol (E2) und das Anti-Müller-Hormon (AMH). Diese Tests können auch im Voraus durchgeführt werden. Damit die Testergebnisse jedoch aussagekräftig sind, sollten Sie das Labor am 2.-3. Tag nach Beginn Ihres Monatszyklus aufzusuchen.

 

Bringen Sie an dem Tag, an dem Sie Ihre(n) ArztIn konsultieren, alle Untersuchungsbefunde, Unterlagen und ggf. Epikrisen von früheren Behandlungen mit. Recherchieren Sie im Voraus Ihre familiäre „Gesundheitsgeschichte“. Informieren Sie Ihre(n) ArztIn über Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und frühere Erkrankungen sowie über Erkrankungen in der Familie. Sie sollten ihn/sie auch darüber informieren, ob Sie derzeit Medikamente, einschließlich Verhütungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel, einnehmen.

 

Bereiten Sie sich mit Daten über Ihren monatlichen Zyklus vor: Wie viele Tage dauert er, ist Ihre Menstruation stark, an wie vielen Tagen kommt Ihre Periode, hatten Sie einen „ausgebliebenen“ Monat, leiden Sie unter starken Schmerzen und abnormalen Blutungen. Notieren Sie sich die wichtigsten Fragen, die Sie dem/der ArztIn im Sprechzimmer stellen möchten. Erkundigen Sie sich nach Nebenwirkungen und eventuellen Risiken, die im Zusammenhang mit dem Verfahren auftreten können. Denken Sie daran, dass es keine unangenehmen, dummen oder peinlichen Fragen gibt. Fragen Sie einfach nach allem, was Sie interessiert.

 

Da das Verfahren sowohl eine hormonelle Stimulation als auch einen invasiven Eingriff (Punktion) unter Kurznarkose beinhaltet, sollte Ihr(e) ArztIn zu diesem Zeitpunkt Ihre gesamte Krankengeschichte abklären und eine definitive Stellungnahme über das Fehlen von Kontraindikationen abgeben. Bei Bedarf kann eine Konsultation eines Internisten, Endokrinologen, Kardiologen oder eines anderen Facharztes angeordnet werden, je nachdem, ob und welche Begleiterkrankungen Sie haben.

Der Prozess beginnt mit einer Kontrolluntersuchung, bei der Ihr aktueller gynäkologischer Status im laufenden Zyklus erhoben wird: Ultraschalluntersuchung und Bluttests zur Messung des Serum-Sexualhormonspiegels (LH, FSH, E2) am Tag 2-3 Ihres Zyklus. Erforderlichenfalls werden zusätzliche Hormone (TSH, FT4, Prolaktin) getestet.

 

Sie erhalten Unterlagen mit Informationen über das bevorstehende Verfahren, mit denen Sie sich vor dem Beginn der Stimulation der Eierstöcke vertraut machen können.

 

Damit eine ausreichende Anzahl von Eizellen für die Eizellenentnahme innerhalb eines Zyklus heranreifen kann, ist es notwendig, die Eierstöcke mit niedrig dosierten synthetischen (gereinigten) Hormonpräparaten zu stimulieren. Diese werden von Ihrem/Ihrer ArztIn verschrieben und nach einem bestimmten Schema verabreicht – meist durch tägliche subkutane Injektionen über 10-13 Tage.

 

Die moderne Reproduktionsmedizin verfügt über ein breites Spektrum an Präparaten, aus dem die für Sie und Ihre Eierstöcke bestgeeigneten Präparate ausgewählt werden können. Es gibt Präparate in Tablettenform und auch solche, die einmalig gespritzt werden und ihre Wirkung über mehrere aufeinanderfolgenden Tage entfalten. Welches Präparat für Sie am besten geeignet ist und nach welchem Schema es verabreicht werden sollte, entscheidet Ihr(e) ArztIn auf der Grundlage aller durchgeführten Voruntersuchungen und der Reaktion Ihrer Eierstöcke im Laufe der Stimulation.

 

Der Stimulationsprozess wird vom Ärzteteam durch Messung des Hormonspiegels und Ultraschalluntersuchungen (in der Regel jeden zweiten Tag) sorgfältig überwacht. Die strikte Überwachung (Monitoring) dient zwei Zwecken: Zum einen soll sichergestellt werden, dass das Verfahren normal abläuft und keine Nebenwirkungen oder Anomalien Ihres Zustands auftreten, die einen Abbruch des Verfahrens erforderlich machen würden. Andererseits muss der/die ArztIn das Geschehen im Eierstock genau beobachten, um den genauen Zeitpunkt der Follikelreifung zu bestimmen und die Punktion, den Eingriff zur Entnahme der Eizellen, zu planen.

Der Moment der Wahrheit! Nach der hormonellen Stimulation sind nun Follikel in ausreichender Anzahl und Größe vorhanden, die Ihr/e ArztIn absaugen kann, um die darin verborgenen Eizellen zu entnehmen.

 

Mit Hilfe einer speziellen, von einer Ultraschallsonde geführten Nadel (Punktionsnadel) wird der Eierstock durch die Scheidenwand erreicht. Die Flüssigkeit, in der die Eizellen „schwimmen“ und die den Follikel füllt, wird abgesaugt und in Röhrchen aufgefangen einem Embryologen übergeben, der die Aufgabe hat, die Eizellen sofort unter dem Mikroskop zu „finden“, sie zu waschen und in ein geeignetes Nährmedium zu legen, damit sie nicht gestresst werden. Ein wichtiges Detail: Erst jetzt werden Sie und Ihr/e ArztIn erfahren, wie viele der im Laufe der Simulation herangereiften Follikel mit reifen Eizellen gefüllt sind. Die Zahl der entnommenen Eizellen stimmt nicht immer mit der aufgrund der Follikelzählung zu erwartenden Eizellen-Zahl überein. Die Anzahl wird Ihnen bei der Punktion mitgeteilt und sollte in den medizinischen Unterlagen, die Sie anschließend erhalten, vermerkt sein.

 

Das Verfahren dauert in der Regel etwa 5-10 Minuten. Es wird unter leichter Narkose (kurze intravenöse Anästhesie) durchgeführt, und anschließend bleiben Sie in der Regel für 2 bis 4 Stunden unter Beobachtung in der Klinik. An diesem Tag werden Sie nicht zur Arbeit gehen können, und es ist ratsam, an diesem Tag auch nicht Auto zu fahren. Empfehlenswert ist es daher, eine Ihnen nahestehende Person dabei zu haben, die Sie nach dem Verfahren nach Hause begleitet. Die Punktion verläuft in der Regel ohne Komplikationen, und Sie können am nächsten Tag wieder zur Arbeit gehen. Falls Ihre Arbeit eine große körperliche Anstrengung erfordert, wird man Ihnen raten, sich ein paar Tage freizunehmen, wofür Sie eine Krankmeldung (Krankenschein) erhalten können.

 

Für viele Frauen ist die Follikelpunktion der beängstigendste Teil des gesamten Prozesses, der mit dem Einfrieren von Eizellen verbunden ist. Obwohl dieses Verfahren minimal invasiv ist, birgt es Risiken, mit denen Sie sich vertraut machen und die Sie vorher mit Ihrem/Ihrer ArztIn besprechen sollten.

Bis zu diesem Punkt sind Sie dem Algorithmus eines Standard-In-vitro-Verfahrens gefolgt. Ab hier, in der Laborphase des Prozesses, beginnen sich die Unterschiede auszuwirken.

Bei Paaren, die sich einem In-vitro-Verfahren unterziehen, geht das Verfahren meist mit der Befruchtung der entnommenen Eizellen, der Züchtung der daraus entstehenden Embryonen im Labor und deren Vorbereitung für den Transfer in die Gebärmutter der Frau weiter (s.g. Embryotransfer).

Für Sie ist das Verfahren damit beendet – zumindest vorläufig. Die Eizellen werden von einem qualifizierten Embryologen untersucht und eingefroren.

Sobald die Eizellen eingefroren sind, werden sie von den erfahrenen Biologen unserer Kryobank betreut, die dafür sorgen, dass die Bedingungen für eine qualitativ hochwertige Lagerung Ihrer Reproduktionszellen erfüllt sind.

Einfrieren von Eizellen aus sozialen Gründen

Im Folgenden werden einige mögliche soziale Gründe angeführt, bei denen das Einfrieren von Eizellen als Option zur Erhaltung der Fruchtbarkeit einer Frau in Betracht gezogen wird:

  • wenn Ihre Beziehung noch nicht reif genug ist oder Ihr Partner nicht bereit ist, Eltern zu werden;
  • wenn Sie den Partner, der der Vater Ihrer Kinder werden sollte, noch nicht kennengelernt haben;
  • wenn Sie vor wichtigen Schritten in Ihrer akademischen oder beruflichen Entwicklung stehen;
  • wenn Sie bereits Eltern sind und sich weitere Kinder wünschen, aber den Zeitpunkt dafür aus verschiedenen Gründen vorverlegen möchten;
  • wenn Sie noch nicht die ganze To-Do-Liste mit den zu erobernden Gipfeln abgearbeitet haben, bevor Sie sich ein Nest bauen.
  • wenn Sie sich einer IVF-Behandlung unterziehen, aber aus religiösen oder ethischen Gründen keine Embryonen einfrieren möchten.

Einfrieren von Eizellen bei Krebserkrankungen

Wenn wir mit einer erschreckenden Diagnose konfrontiert werden, ist es das erste Anliegen unserer ÄrztInnen und Angehörigen, so schnell wie möglich eine angemessene Behandlung einzuleiten.

 

In dieser schwierigen Zeit haben wir nicht immer Informationen und Klarheit über alle Aspekte der bevorstehenden Behandlung und ihrer Nebenwirkungen. Wir alle haben schon davon gehört, dass wir eine Zeit lang unsere Haare verlieren können, wissen aber nicht, dass wir damit auch die Fähigkeit verlieren können, Kinder zu bekommen. Die starken, Krebszellen abtötenden Medikamente treffen oft auch das zarte Gewebe der Eierstöcke und Hoden. Ionisierende Strahlung kann die gleichen schädlichen Auswirkungen haben.

 

Sie werden vielleicht sagen: Wer denkt schon an Schwangerschaft und Geburt, wenn man Krebs bekämpfen muss! Wenn wir uns jedoch vor Augen führen, welche Opfer wir in unserem Kampf bringen müssen, kann der Gedanke, nach der Heilung kein eigenes Kind zu haben, uns den letzten Mut rauben.

 

Vor allem sollten Sie wissen, dass nicht jede Behandlung die Fortpflanzungsfähigkeit irreversibel schädigt. Wenn sich jedoch dieses Risiko bestätigen sollte, kann Ihnen die Medizin helfen, Ihre Chancen für Nachkommenschaft nach einer Krebserkrankung zu wahren.

Dies ist mit Hilfe der modernen Methoden der assistierten Reproduktion möglich. Sie ermöglichen die Entnahme und Lagerung Ihres genetischen Materials, bis die Onkologen bestätigen, dass Sie wieder gesund sind und eine Schwangerschaft und Geburt planen können.

 

Während die Entnahme von genetischem Material für die Kryokonservierung ein schnelles, einfaches und relativ kostengünstiges Verfahren für Jungen und Männer ist, ist die Entnahme von reifen Eizellen aus dem Eierstock weitaus komplizierter und nur nach einer genauen Beurteilung des Reproduktionsstatus der Patientin und in Abstimmung mit der Primärtherapie möglich. Wenn die Frau einen festen Partner hat, kann das Paar es vorziehen, anstelle der Aufbewahrung von Eizellen zunächst eine In-vitro-Fertilisation durchzuführen und die Embryonen einzufrieren.

Die entnommenen Spermien, Eizellen oder Embryonen werden durch ein spezielles Verfahren eingefroren und in einer Kryobank bei ultratiefen Temperaturen gelagert, um ihre Lebensfähigkeit über mehrere Jahre zu gewährleisten.

 

Je nachdem, wann mit der Behandlung der Grunderkrankung begonnen werden soll und ob das betreffende Karzinom empfindlich auf die Wirkung von Sexualhormonen reagiert, kann eine kontrollierte hormonelle Stimulation der Eierstöcke zur Entnahme einer größeren Anzahl reifer Eizellen möglich sein oder nicht.

 

In jedem Einzelfall müssen alle medizinischen Details von einem interdisziplinären Gremium, dem Fachärzte für Onkologie und Reproduktionsmedizin angehören, geprüft und berücksichtigt werden. Ein solches Gremium wurde eingerichtet und trifft sich jeden Monat im Krankenhaus „Nadezhda“.

 

Ob ein Verfahren zum Erhalt der Fruchtbarkeit durchgeführt werden soll, hängt ganz wesentlich von den medizinischen Besonderheiten des Einzelfalls und den Interessen der Patientin ab – eine Krebstherapie ist lebensrettend und kann nicht in jedem Fall aufgeschoben werden, auch nicht um eine Woche!

Die Erhaltung Ihres Lebens und die Wiederherstellung Ihrer Gesundheit und Lebensqualität sind die vorrangigen Ziele der Behandlung, die Ihre Onkologie-Spezialisten für Sie auswählen. Wenn unsere Fachärzte und Fachärztinnen für Reproduktionsmedizin ein „Fenster“ und ein Handlungsfeld haben, um Ihre Chance auf eigene Nachkommen zu wahren, werden wir unser Allerbestes dafür  tun. Wir werden nicht zulassen, dass Sie eine grundlegende Behandlung hinauszögern oder ablehnen – es gibt viele Wege, wie ein Mensch zu einem vollwertigen Elternteil werden kann – wir sind bereit, Ihnen zu helfen, Ihren Weg zu gehen!

Was genau ist das Einfrieren von Zellen?

Wenn lebende Zellen unter einer bestimmten Schwellentemperatur abgekühlt werden, können die lebenswichtigen Prozesse in ihnen nicht mehr normal ablaufen und die Uhr bleibt stehen. In einem solchen „Kälteschlaf“ könnten sie theoretisch Monate, Jahre oder Jahrzehnte verbringen. Die dafür zu überwindende Temperaturgrenze liegt bei -130 Grad Celsius. Das ist kälter als der kälteste Ort auf der Erde, und die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Verwendung von Flüssiggasen – in diesem Fall von flüssigem Stickstoff. Vor dem Einfrieren wird die Probe durch Zugabe eines oder mehrerer verschiedener Kryoprotektiva – Substanzen, die die Zellstrukturen vor Schäden beim Einfrieren schützen – vorbereitet.

Warum ist das Einfrieren von Eizellen ein spezielles Verfahren?

Die Eizelle ist in der Tat eine ganz besondere Zelle. Sie ist die größte Zelle im weiblichen Körper und enthält einen hohen Anteil an freiem Wasser. Das ist auch das große Problem, denn wie wir wissen, ist Wasser der einzige Stoff, der bei einer Abkühlung zwischen 4 und 0 Grad nicht schrumpft, sondern sein Volumen vergrößert. Beim Gefrieren bildet das Wasser sehr schöne, aber tödliche Eiskristalle – sie zerreißen im wahrsten Sinne des Wortes die Zellen. Beim Einfrieren von lebenden Zellen und Geweben geht es daher darum, die fatale Kristallbildung in den Zellen um jeden Preis zu vermeiden.

An vielen Stellen ist zu lesen, dass es sich beim Einfrieren von Eizellen um ein sehr neues, experimentelles Verfahren handelt, bei dem unklar ist, ob es funktioniert. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Die Versuche, eine Eizelle einzufrieren, reichen viele Jahre zurück. Der erste Bericht über ein Kind, das nach einem solchen Verfahren geboren wurde, stammt aus dem Jahr 1986, als es dem australischen Wissenschaftler Dr. Christopher Chen gelang, eingefrorene Eizellen „aufzuwecken“. Leider war die Methode von Dr. Chen nicht das, wonach die Medizin suchte, da sie in einem zu geringen Prozentsatz der Fälle zu einem erfolgreichen Ergebnis führte. Drei weitere Jahrzehnte sucht die Wissenschaft nach einer Möglichkeit, die menschliche Eizelle erfolgreich zu konservieren.

Der lang erwartete Durchbruch beim Einfrieren von Eizellen wurde mit der Entwicklung einer neuen Methode erzielt – mit dem so genannten „Ultra schnellen Einfrieren“ (rapid freezing), bei dem die Zellen mit wesentlich konzentrierteren Kryoprotektoren (Gefrierschutzmittel) auf den Kälteschlaf vorbereitet und blitzschnell abgekühlt werden. Auf diese Weise wird die fatale Bildung von Eiskristallen vermieden und das Wasser in den Zellen geht direkt in einen glasartigen Zustand über. Daher auch die andere Bezeichnung für dieses Verfahren – Vitrifikation (Verglasung).

Die ersten Berichte über die Ergebnisse von Verfahren mit vitrifizierten Eizellen haben alle Erwartungen übertroffen: Über 95 % der Eizellen überleben nach dem Auftauen, 90 % davon werden erfolgreich befruchtet und führen zu lebensfähigen Embryonen, und der Prozentsatz der erzielten Schwangerschaften liegt bei über 65 %. Auch wenn sich die Vitrifikation ziemlich langsam in der Praxis etabliert, wird sie von immer mehr Kliniken weltweit praktiziert.

Nach einer gründlichen Analyse von Hunderten von veröffentlichten Ergebnissen hat die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin als eine der weltweit einflussreichsten Organisationen von Fachleuten für assistierte Reproduktion im Jahr 2012 ein offizielles Statement vorgelegt, dem zufolge das Einfrieren von Eizellen durch Vitrifikation als ein vollkommen effizientes und sicheres Verfahren anerkannt ist.

Auch heute noch stellt das Einfrieren der großen weiblichen Gamete eine Herausforderung dar, denn der erfolgreiche Ablauf der Vitrifikation erfordert einerseits speziell dafür ausgebildete Embryologen, und andererseits setzt die Lagerung der Eizellen die strikte Kontrolle der kritischen Parameter voraus, damit die Eizellen ihre Eigenschaften während der Kryokonservierung behalten können – alles Bedingungen, die mit zusätzlichem Aufwand und Investitionen seitens des medizinischen Fachpersonals verbunden sind.

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